Stadtteilübergreifendes Radfahren

Wer in Velbert mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß, das der Radverkehr in den letzten Jahrzehnten in der Verkehrsplanung keine Beachtung gefunden hat.

Auf der in den 80er Jahren ausgebauten Heiligenhauser/Heidestraße wurde der Radverkehr nachträglich auf den Gehweg verlegt. Bis heute stehen dort Ampelmasten im Verkehrsraum der Radfahrenden.
Auch der vor 31 Jahren (am 30.04.1991) beschlossene Verkehrsentwicklungsplan änderte daran nichts, obwohl er immerhin das „Angebot eines sicheren Radwegesystems“ als Ziel postulierte. Für historisch Interessierte habe ich zwei Hintergrundstudien hier verlinkt.

Mängelanalyse Radweg Heiligenhauser/Heidestraße und Erfolgskontrolle VEP (1988/1993)
In einer Mängelanalyse habe ich 1988 den Radweg Heiligenhauser Straße/Heidestraße unter die Lupe genommen.
1993 habe ich untersucht, ob die gefassten 170 Beschlüsse der Ratsgremien die Ziele des Verkehrsentwicklungsplanes zu erreichen helfen.
30 Jahre später blicken Studierende der Uni Wuppertal auf die Situation.

Wie ist die Situation 30 Jahre später? Im Sommer 2021 hat sich eine Gruppe von angehenden Verkehrswirtschaftsingenieuren der Universität Wuppertal die Situation für Radfahrer*innen zwischen den Ortsteilen Velbert-Mitte, Neviges und Langenberg angeschaut:

  • Velbert ZOB nach Neviges über Schmalenhofer Straße und Bernsaustraße
  • Neviges Bahnhof nach Langenberg über Bernsaustraße, Kuhlendahler Straße, Vogteier Straße.
  • Langenberg Bahnhof nach Velbert ZOB über Bökenbuschstraße, Langenberger Straße, Friedrich-Ebert-Straße

Die Präsentation der Gruppe findet sich hier. Sie wurde am 15.02.2022 in einer von mir organisierten Videokonferenz Teilnehmer*innen aus Kommunalpolitik, Stadtverwaltung und ADFC vorgestellt.

In einer webbasierten Karte habe ich die verorteten Fotos der Befahrung nebst Kommentierung für Sie bereitgestellt:

Die Karte enthält auch Layer zum Radverkehrsnetz NRW und zu Unfallorten mit Radfahrerbeteiligung. Mausklick auf einen rot-gelben Pfeil in der Karte öffnet die „Hinweise Radverkehr“ mit Foto und Kommentar.

Mein Fazit zur derzeitigen Situation des stadtteilübergreifenden Radfahrens in Velbert:

  • Die Straßenbaulastträger Land NRW und Kreis Mettmann haben sich an den Straßen in ihrer Zuständigkeit fast noch weniger Gedanken zum Radverkehr gemacht, als die Stadt Velbert für das innerstädtische Straßennetz.
  • Das gilt insbesondere auch für die Straßenabschnitte des Radverkehrsnetzes NRW. Die Bökenbuschstraße (Kreisstraße K23) verfügt nur über einen zugewachsenen Gehweg, der nicht für Radfahrende freigegeben ist.
    Bauliche Unterhaltung: Fehlanzeige. An der Kreuzung am Nieding (L427/K23) müssen Radfahrende drei Ampelphasen queren (mehrere Minuten Wartezeit), um von Velbert kommend nach Langenberg (Bökenbuschstraße) abzubiegen.
  • Das Kuhlendahler Tal (Landesstraße L107) zwischen Langenberg und Neviges verfügt nur über einen minimalbreiten, verfallenen Gehweg. Städtische Planungen zumindest einer Verbindungsstrecke von Langenberg bis Bleibergstraße und über das Birkental auf den Panoramaradweg kommen nicht recht voran.
  • Innerstädtisch könnte die von den Studierenden analysierte Situation schnell verbessert werden, wenn die Maßnahmen des Rad- und Fußverkehrskonzeptes (u.a. für Offer- und Sternbergstraße mit Anbindung an den Panoramaradweg, sowie die Mettmanner- und Südstraße) realisiert würde. Der ADFC Velbert hat Vorschläge für einen ergänzenden CityRadweg vorgelegt, der das Konzept abrunden würde.
  • Das Fahrrad (im bergischen Land gerne als Pedelec mit Elektromotor) ist für viele Fahrten auch im Berufsverkehr bis 20km eine attraktive Alternative zum Auto. Wenn wir den Erkenntnissen der Klimaforschung Beachtung schenken, müssen wir unser Mobilitätsverhalten kurzfristig anpassen.